Bestandsspezifische Vakzine (Autovakzine)

Aus LABOPEDIA
Version vom 7. Januar 2014, 11:11 Uhr von Thiele (Diskussion | Beiträge)

(Unterschied) ← Nächstältere Version | Aktuelle Version (Unterschied) | Nächstjüngere Version → (Unterschied)
Wechseln zu: Navigation, Suche

Chronisch-rezidivierende bakteriellen Infektionen bei Haus- und Heimtieren sind keine Seltenheit und führen aufgrund langanhaltender Antibiotikatherapien oftmals zur Resistenzzunahme der beteiligten Erreger. Bei der Frage nach alternativen Behandlungsmethoden kommen häufig die Autovakzinen ins Gespräch, die in der Human- und Veterinärmedizin seit längerem erfolgreich eingesetzt werden. Dabei handelt es sich um maßgeschneiderte Impfstoffe, die individuell für jedes Tier aus seiner eigenen Bakterienflora hergestellt werden.

Der Herstellung einer Autovakzine liegt immer eine mikrobiologische Untersuchung zugrunde, in deren Rahmen der für die Erkrankung verantwortliche Keim isoliert, in Reinkultur vermehrt und anschließend inaktiviert wird. Die spezielle Zusammensetzung der Vakzine wie Keimkonzentration, Applikationsart und -menge richtet sich nach Vorbericht und Tierart. Im Allgemeinen unterscheidet man zwischen lokal und systemisch zu applizierenden Autovakzinen.

Die subkutan zu verabreichenden Injektionsvakzinen empfehlen sich insbesondere bei Hautinfektionen, bei Atemwegsinfekten und Otitiden, etc. Bei Affektionen des Nasen-Rachen-Raums kann die Autovakzine auch zur Anwendung als Aerosol hergestellt werden. Bei Infektionen des Urogenitaltraktes zeigen die sowohl oral als auch systemisch anzuwendenden Kombinationsvakzinen die größere Wirksamkeit. Die Schluckvakzinen finden Anwendung bei allen Magen-Darminfekten, die mit chronischer Diarrhoe einhergehen.

Ziel der Behandlung ist, das Immunsystem gegen den verursachenden Erreger bzw. dessen Stoffwechselprodukte zu sensibilisieren und zum Aufbau von spezifischen Antikörpern anzuregen. Dadurch wird die bestehende Infektion bekämpft und eine Reinfektion verhindert. Durch die Produktion von sektretorischem IgA wird eine „Abdichtung“ der Schleimhautbarriere erreicht. Bei der Kotwasserproblematik des Pferdes wurden mit der Autovakzine sehr gute Ergebnisse erzielt.

Hergestellt werden können:

  • Injektionsvakzinen (z. B. bei Pyodermien, etc.)
  • Kombinationsvakzinen (z.B. bei Vaginitiden und Cystitiden)
  • Inhalationsvakzine bei respiratorischen Erkrankungen

Bitte beachten Sie: zur Herstellung dieses Präparates benötigt Ihr Labor von Ihrer Praxis ein schriftliches Rezept!


Material Abstriche, Harn, Haare, etc.
Methode Bakteriologische Anzucht und anschließende Inaktivierung der Erreger
Labor
  • Praxis-Schnelltest: nicht erhältlich
  • Speziallabor: Herstellungserlaubnis erforderlich
    • Versandzeit und -temperatur sind unkritisch
    • Dauer: 3 Wochen
Tierart Hund, Katze, Heimtiere (Tiere, die nicht der Lebensmittelgewinnung dienen)